Ärger in Glessen über unerträgliche Verkehrsbelästigung - Anlieger zählen Autos
Umgehen statt Kreiseln
Kölner Stadt-Anzeiger vom 22. März 1988



Landschaftsverband Rheinland will keine neue Straße bauen - Radwege neben L 213



Bergheim-Glessen (de) - Zahlreiche Anlieger der Landstraße 91 haben sich jetzt zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um gegen die nach ihrer Ansicht unhaltbaren Zustände im Glessener Zentrum anzugehen. Auslöser für die Beschwerden ist der Verkehr auf der L 91 (Brauweiler Straße).

Die Anwohner kritisieren die Lärmbelästigung durch Schwerlast- und Berufsverkehr von Elsdorf und Bergheim nach Köln und zurück. Durch die Kohletransporte fühlen sie sich schon morgens ab 3.30 Uhr gestört. Mit dem hohen Verkehrsaufkomen gehe auch eine unerträgliche Abgasbelästigung einher, beklagen die Anwohner.


Mehr als 8000 Fahrzeuge passieren täglich die schmale Ortsdurchfahrt von Glessen (Landstraße 91). Die Anwohner fühlen sich durch Lärm und Abgase der Autos belästigt.

Bild: Kurth

„Ampel wenig hilfreich“

Fritz Neckermann, Vertreter der Interessengemeinschaft, hat am 9. März die Fahrzeuge gezählt. Zwischen 6 und 19 Uhr passierten über 8000 Autos, 415 Lastwagen und 134 Kohlelaster die Brauweiler Straße. Angst haben die Bürger auch vor einem Unfall wie in Herborn. In der kurvenreichen Ortsdurchfahrt könnten Lastwagen leicht verunglücken.

Im Glessener Raum sind zur Zeit zwei Straßenbaumaßnahmen geplant: Der Ausbau der Verbindungsstraße zwischen Glessen und Büsdorf und der L 213 zwischen Glessen und Brauweiler.

Mit dem Ausbau der Straße zwischen Büsdorf und Glessen taucht für viele Bürger eine neues Problem auf: Zusätzlicher Durchgangsverkehr würde die Ortszentren belasten.

Landrat Klaus Lennartz MdB und Oberkreisdirektor Wolfgang Bell haben sich mit dem Problem befaßt. Der Landrat meint, daß eine Ampelanlage Fahrer nicht davon abhalte, weiter zu rasen. Die vom Oberkreisdirektor und von Lennartz ins Gespräch gebrachte Lösung, Kreisverkehr an den Ortseingängen einzurichten, stößt bei den Anliegern wegen der befürchteten Lärm- und Abgasbelästigung auf wenig Gegenliebe.

„Notwendige Bremse“

An einen Kreisverkehr denkt auch das Rheinische Landesstraßenbauamt. Doch eine endgültige Lösung ist ebenso wie der Ausbau der L 213 noch nicht in Sicht, da erst das Planfeststellungsverfahren läuft. Gerhard Josten vom Straßenbauamt meint, ein Kreisverkehr könne die Geschwindigkeit merklich dämpfen und die Durchfahrt unattraktiver machen. „Das wäre die notwendige Bremse“, sagt Josten.

Die Arbeiten an der L 213 zwischen Brauweiler und Glessen könnten den Zustand in Glessen für immer festschreiben“, fürchtet die Interessengemeinschaft. Sie plädiert dafür, eine Umgehung nördlich von Glessen anzulegen. An diese Straße könnten dann Büsdorf und Fliesteden angeschlossen werden.

„An eine solche Umgehung ist wegen der unzumutbaren Eingriffe in die Natur und Landschaft nicht gedacht“, erklärt Josten. Auch die Kostenfrage spiele hier eine entscheidende Rolle. Der Ausbau der L 213 betrifft dagegen nur zusätzliche Gehwege und die Befestigung der Fahrbahn. Landrat Lennartz äußerte die Befürchtung, die Straße könne dann zum Rasen verleiten.

Viele der betroffenen Anlieger fordern die Stadt Bergheim und den Landschaftsverband Rheinland auf, die Vorbereitungen für den Ausbau der L 213 zu stoppen und eine Umgehungsstraße für Glessen in die Wege zu leiten.



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